Einseitiger Hypothesentest

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Alle Lektionen des Kapitels, bereit für Papier. Die Aufgabenserien heißen A, B, C… und die Lösungen stehen am Ende.

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1. Einseitiger Signifikanztest

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Drei schnelle Fragen zu früheren Lektionen.

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Mia glaubt, dass ihre Münze öfter „Zahl“ zeigt. Sie wirft 20-mal. Unter der Annahme p=0,5p = 0{,}5 gilt P(X≥15)≈0,021P(X \geq 15) \approx 0{,}021 und P(X≥14)≈0,058P(X \geq 14) \approx 0{,}058. Ab wie vielen Zahlwürfen hält sie die Münze bei einem Signifikanzniveau von 5 % für gezinkt?

  1. 15;dots;20\\{15; \\dots; 20\\} hat unter p=0,5p = 0{,}5 die Wahrscheinlichkeit 0,021, höchstens 5 %." data-option="1">Ab 15
  2. Ab 14

Die Grundidee

Ein Test entscheidet mit einer Stichprobe zwischen zwei Hypothesen; das Risiko eines Fehlurteils wird begrenzt.

Die Nullhypothese H0H_0 ist die bisherige Annahme, die Gegenhypothese H1H_1 das, was man zeigen möchte. Prüfgröße: die Trefferzahl XX, unter H0H_0 binomialverteilt.

Rechtsseitiger Test (H1 ⁣:p>p0H_1\colon p > p_0): Ablehnungsbereich {k;… ;n}\{k; \dots; n\} mit dem kleinsten kk, für das P(X≥k)≤αP(X \geq k) \leq \alpha gilt. Linksseitiger Test (H1 ⁣:p<p0H_1\colon p < p_0): {0;… ;k}\{0; \dots; k\} mit dem größten kk, für das P(X≤k)≤αP(X \leq k) \leq \alpha gilt. α\alpha ist das Signifikanzniveau.

Beispiel

Ein Hersteller gibt an, dass höchstens 10 % der Lose Gewinne sind (p0=0,1p_0 = 0{,}1). Ein Händler vermutet mehr und prüft 50 Lose. Unter p=0,1p = 0{,}1 gilt P(X≥10)≈0,025P(X \geq 10) \approx 0{,}025 und P(X≥9)≈0,058P(X \geq 9) \approx 0{,}058.

H0 ⁣:p≤0,1H_0\colon p \leq 0{,}1, H1 ⁣:p>0,1H_1\colon p > 0{,}1: rechtsseitig
Der Händler will mehr Gewinne zeigen.
k=10k = 10
Kleinstes k mit P(X ≥ k) ≤ 0,05.
Bei mindestens 10 Gewinnen wird H0H_0 abgelehnt.
Entscheidungsregel.

Du bist dran

Jetzt du: Rechtsseitiger Test, α=5 %\alpha = 5\,\%. Unter H0H_0 gilt P(X≥8)≈0,03P(X \geq 8) \approx 0{,}03 und P(X≥7)≈0,09P(X \geq 7) \approx 0{,}09. Wo beginnt der Ablehnungsbereich?

P(X≥8)≤0,05P(X \geq 8) \leq 0{,}05
0,03 ≤ 0,05, aber 0,09 > 0,05.
k=8k = 8
Kleinstes solches k.

Üben ★

  1. Rechtsseitiger Test mit dem Signifikanzniveau 5 %. Unter H0H_0 gilt P(X≥10)≈0,03P(X \geq 10) \approx 0{,}03 und P(X≥9)≈0,07P(X \geq 9) \approx 0{,}07. Ab welcher Trefferzahl wird H0H_0 abgelehnt?
  2. Rechtsseitiger Test mit dem Signifikanzniveau 5 %. Unter H0H_0 gilt P(X≥8)≈0,04P(X \geq 8) \approx 0{,}04 und P(X≥7)≈0,09P(X \geq 7) \approx 0{,}09. Ab welcher Trefferzahl wird H0H_0 abgelehnt?
  1. Ein Hersteller gibt an, dass höchstens 2 % seiner Bauteile defekt sind. Eine Kundin vermutet mehr und will das mit einer Stichprobe zeigen. Welche Nullhypothese testet sie?
    1. H0 ⁣:p≤0,02H_0\colon p \leq 0{,}02
    2. H0 ⁣:p>0,02H_0\colon p > 0{,}02
    3. H0 ⁣:p<0,02H_0\colon p < 0{,}02

Vorsicht!

Üben ★★

  1. Eine Münze wird 5-mal geworfen, um H0 ⁣:p=0,5H_0\colon p = 0{,}5 gegen H1 ⁣:p>0,5H_1\colon p > 0{,}5 zu testen (pp: Wahrscheinlichkeit für „Zahl“). H0H_0 wird nur abgelehnt, wenn jedes Mal „Zahl“ fällt. Mit welcher Wahrscheinlichkeit wird H0H_0 abgelehnt, obwohl sie stimmt?
  2. Eine Münze wird 6-mal geworfen, um H0 ⁣:p=0,5H_0\colon p = 0{,}5 gegen H1 ⁣:p>0,5H_1\colon p > 0{,}5 zu testen (pp: Wahrscheinlichkeit für „Zahl“). H0H_0 wird nur abgelehnt, wenn jedes Mal „Zahl“ fällt. Mit welcher Wahrscheinlichkeit wird H0H_0 abgelehnt, obwohl sie stimmt?
  1. Ein neues Lernprogramm soll die Bestehensquote von bisher 70 % erhöhen. Wo liegt der Ablehnungsbereich des Tests von H0 ⁣:p≤0,7H_0\colon p \leq 0{,}7?
    1. Rechts: viele Bestandene sprechen gegen H0H_0
    2. Links: wenige Bestandene sprechen gegen H0H_0
    3. Auf beiden Seiten
  1. Abschlussaufgabe. Eine Münze wird 8-mal geworfen; getestet wird H0 ⁣:p=0,5H_0\colon p = 0{,}5 gegen H1 ⁣:p>0,5H_1\colon p > 0{,}5 mit dem Ablehnungsbereich {7;8}\{ 7; 8 \}.

Abschlusscheck

Drei Fragen zum Abschluss: Sitzt es?

  1. Rechtsseitiger Test mit dem Signifikanzniveau 5 %. Unter H0H_0 gilt P(X≥10)≈0,03P(X \geq 10) \approx 0{,}03 und P(X≥9)≈0,07P(X \geq 9) \approx 0{,}07. Ab welcher Trefferzahl wird H0H_0 abgelehnt?
  2. Rechtsseitiger Test mit dem Signifikanzniveau 5 %. Unter H0H_0 gilt P(X≥8)≈0,04P(X \geq 8) \approx 0{,}04 und P(X≥7)≈0,09P(X \geq 7) \approx 0{,}09. Ab welcher Trefferzahl wird H0H_0 abgelehnt?
  3. Rechtsseitiger Test mit dem Signifikanzniveau 5 %. Unter H0H_0 gilt P(X≥14)≈0,02P(X \geq 14) \approx 0{,}02 und P(X≥13)≈0,06P(X \geq 13) \approx 0{,}06. Ab welcher Trefferzahl wird H0H_0 abgelehnt?

Merkkarte

Einseitiger Signifikanztest

  • H1H_1 ist die Vermutung, die man zeigen will.
  • Rechtsseitig: kleinstes kk mit P(X≥k)≤αP(X \geq k) \leq \alpha.
  • Linksseitig: größtes kk mit P(X≤k)≤αP(X \leq k) \leq \alpha.

Achtung: Die Wahrscheinlichkeit des Ablehnungsbereichs unter H0H_0 darf α\alpha nicht übersteigen.

2. Fehler erster und zweiter Art

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Drei schnelle Fragen zu früheren Lektionen.

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Ein Test soll zeigen, dass ein neues Medikament besser wirkt. In Wahrheit wirkt es nicht besser, aber das Stichprobenergebnis liegt zufällig im Ablehnungsbereich. Was passiert?

  1. H0H_0 stimmt, wird aber verworfen." data-option="1">H0H_0 wird zu Unrecht abgelehnt: ein Fehler erster Art
  2. H0H_0 falsch und wird beibehalten. Hier ist H0H_0 richtig und wird abgelehnt." data-option="2">H0H_0 wird zu Unrecht beibehalten: ein Fehler zweiter Art

Die Grundidee

Jede Entscheidung kann falsch sein; die beiden Fehler haben eigene Wahrscheinlichkeiten.

Fehler erster Art: H0H_0 ist wahr, wird aber abgelehnt. Seine Wahrscheinlichkeit ist α′=Pp0(X∈K)\alpha' = P_{p_0}(X \in K), höchstens das Signifikanzniveau.

Fehler zweiter Art: H0H_0 ist falsch, wird aber beibehalten. Für eine wahre Wahrscheinlichkeit p1p_1 ist seine Wahrscheinlichkeit β=Pp1(X∉K)=1−Pp1(X∈K)\beta = P_{p_1}(X \notin K) = 1 - P_{p_1}(X \in K). Ein kleinerer Ablehnungsbereich senkt α′\alpha' und erhöht β\beta.

Beispiel

Test mit n=10n = 10, H0 ⁣:p=0,5H_0\colon p = 0{,}5, H1 ⁣:p>0,5H_1\colon p > 0{,}5, K={9;10}K = \{9; 10\}. In Wahrheit sei p=0,75p = 0{,}75; dann gilt P(X≥9)≈0,244P(X \geq 9) \approx 0{,}244.

α′=10+11024≈0,011\alpha' = \dfrac{10 + 1}{1024} \approx 0{,}011
Unter p = 0,5: P(X = 9) + P(X = 10).
β=1−0,244\beta = 1 - 0{,}244
Fehler zweiter Art: X liegt nicht in K.
β≈0,756\beta \approx 0{,}756
Ergebnis.

Du bist dran

Jetzt du: Unter p1p_1 gilt P(X∈K)≈0,83P(X \in K) \approx 0{,}83. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit für den Fehler zweiter Art?

1−0,831 - 0{,}83
Gegenereignis.
0,170{,}17
Ergebnis.

Üben ★

  1. Ein Test prüft H0H_0: „Die Münze ist fair.“ Die Münze ist in Wahrheit gezinkt, aber das Ergebnis liegt nicht im Ablehnungsbereich. Welcher Fehler liegt vor?
    1. Ein Fehler zweiter Art
    2. Ein Fehler erster Art
    3. Kein Fehler
  1. Für die wahre Trefferwahrscheinlichkeit p1p_1 gilt P(X∈K)≈0,70P(X \in K) \approx 0{,}70. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit für den Fehler zweiter Art?

Vorsicht!

Üben ★★

  1. Eine Münze wird 4-mal geworfen; H0 ⁣:p=0,5H_0\colon p = 0{,}5 wird nur abgelehnt, wenn jedes Mal „Zahl“ fällt. In Wahrheit ist p=0,75p = 0{,}75. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit für den Fehler zweiter Art?
  2. Eine Münze wird 3-mal geworfen; H0 ⁣:p=0,5H_0\colon p = 0{,}5 wird nur abgelehnt, wenn jedes Mal „Zahl“ fällt. In Wahrheit ist p=0,75p = 0{,}75. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit für den Fehler zweiter Art?
  1. Man verkleinert den Ablehnungsbereich eines Tests, damit der Fehler erster Art seltener wird. Was passiert bei gleichem Stichprobenumfang mit dem Fehler zweiter Art?
    1. Er wird wahrscheinlicher
    2. Er wird auch seltener
    3. Er bleibt gleich
  1. Abschlussaufgabe. Eine Münze wird 4-mal geworfen; H0 ⁣:p=0,5H_0\colon p = 0{,}5 wird gegen H1 ⁣:p>0,5H_1\colon p > 0{,}5 getestet mit K={4}K = \{ 4 \}.

Abschlusscheck

Drei Fragen zum Abschluss: Sitzt es?

  1. Ein Test prüft H0H_0: „Die Münze ist fair.“ Die Münze ist in Wahrheit gezinkt, aber das Ergebnis liegt nicht im Ablehnungsbereich. Welcher Fehler liegt vor?
    1. Ein Fehler zweiter Art
    2. Ein Fehler erster Art
    3. Kein Fehler

Merkkarte

Fehler beim Testen

  • Erster Art: H0H_0 wahr, abgelehnt; Wahrscheinlichkeit Pp0(X∈K)P_{p_0}(X \in K).
  • Zweiter Art: H0H_0 falsch, beibehalten; β=1−Pp1(X∈K)\beta = 1 - P_{p_1}(X \in K).
  • Kleineres α\alpha bedeutet größeres β\beta.

Achtung: Die beiden Fehler nicht verwechseln.